Dekarbonisierung
Der gesellschaftliche Bedarf an Infrastruktur, beispielsweise für Verkehr oder Wohnraum, ist enorm. Die Nachfrage nach Zement und Beton wird daher anhalten, weshalb wir diese Baustoffe klimafreundlich herstellen und sinnvoll einsetzen müssen. Ein grosses Potenzial zur CO2-Reduktion sehen wir bei der Produktion von Zementen mit tieferem Klinkerfaktor. Unser Ziel bis 2030 besteht darin, den Anteil an Zementen mit tieferem Klinkerfaktor kontinuierlich zu erhöhen. Gleichzeitig erhöhen wir den Anteil an alternativen Brennstoffen und entwickeln kontinuierlich klimafreundliche Produkte und Lösungen. Aufgrund dieser Massnahmen und der Umgestaltung unseres Zementproduktportfolios mit dem klaren Ziel einer drastischen Dekarbonisierung sind wir zuversichtlich, unsere Ziele bis 2030 zu erreichen.
Wie erreichen wir Netto-Null?
Alternative Brennstoffe
Um Zement zu produzieren, sind hohe Temperaturen nötig. Damit geht ein hoher Energiebedarf einher. Deshalb setzen wir auf alternative Brennstoffe anstelle fossiler Energien, wie etwa industrielle Kunststoffreste oder Klärschlamm aus Kläranlagen, deren Asche ansonsten deponiert werden müsste.
Flame – mehr Recycling, weniger CO₂
Mit dem Projekt Flame zeigt Holcim im Werk Eclépens, wie nachhaltige Energiegewinnung und Zementproduktion zusammengehen. Statt fossiler Energien kommen zunehmend alternative Brennstoffe wie nicht rezyklierbare Kunststoffreste oder Klärschlamm zum Einsatz – Materialien, deren Asche sonst deponiert werden müsste.
Dank modernster Technologien sowie einer neuen Lager- und Förderanlage kann der Anteil an alternativen Brennstoffen von 70 auf 95 Prozent gesteigert werden. Dadurch spart Holcim jedes Jahr rund 40’000 Tonnen CO₂ und nutzt Abfälle sinnvoll als Energiequelle. Flame steht für Kreislaufwirtschaft, Innovation und einen wichtigen Schritt in Richtung klimafreundliche Zementproduktion.
Reduktion klinkeranteil
Ein grosser Teil der CO₂-Emissionen in der Zementproduktion entsteht bei der Herstellung von Klinker – dem Hauptbestandteil von Zement. Das liegt am im Klinker enthaltenen Kalkstein, der beim Erhitzen CO2 freisetzt.
Holcim arbeitet daher kontinuierlich daran, den Klinkeranteil zu reduzieren und durch alternative mineralische Materialien zu ersetzen. Diese sogenannten Klinkersubstitute stammen zum Beispiel aus aufbereitetem Bauschutt oder industriellen Nebenprodukten. Durch diese Anpassung lässt sich der CO₂-Ausstoss deutlich senken, ohne die bewährte Qualität des Zements zu verändern. So trägt die Reduktion des Klinkeranteils wesentlich zu einer nachhaltigeren Zementproduktion bei.
Zement für das nächste Jahrzehnt
Im Rahmen unserer Dekarbonisierungsstrategie überarbeiten wir unser gesamtes Zementproduktportfolio. Aufbauend auf dem Susteno-Konzept, also der Herstellung von zirkulärem Zement, verfolgen wir das Ziel, unser Produktportfolio stark zu dekarbonisieren und Kreisläufe weiter zu schliessen.
Unser integraler Ansatz, der die Entwicklung neuer Zemente und die Formulierung neuer leistungsbasierter Betonkonzepte umfasst, ermöglicht es uns, Zemente und Betone noch gezielter einzusetzen, anspruchsvolle betontechnologische Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig einen deutlich reduzierten CO2-Fussabdruck zu erreichen. Das neue Zementproduktportfolio wird nun sukzessive eingeführt.
Holcim EcoPlanet® – Zement für eine klimafreundliche Zukunft
Mit Holcim EcoPlanet® haben wir einen Zement auf den Markt gebracht, der den CO₂-Ausstoss in der Produktion deutlich reduziert – um bis zu 39 % im Vergleich zu herkömmlichem Zement. Möglich wird dies durch die gezielte Reduktion des Klinkeranteils und den Einsatz alternativer mineralischer Materialien. Holcim EcoPlanet® steht für CO2-effizient, ressourcenschonend und zirkulär bei voller Leistung.
Nachhaltige Transportlösungen
Grosses Potenzial, um unsere indirekten Emissionen zu senken, sehen wir in der Zement-, Kies- und Betonlogistik. Deshalb investieren wir kontinuierlich in innovative und nachhaltige Transportlösungen, wie beispielsweise den Schienengüterverkehr oder Elektrofahrzeuge sowie Lkws mit grösserer Nutzlast. Zudem sorgen wir mit digitalen Tools für eine optimierte Routenplanung und die Reduktion von Leerfahrten, was weiter dazu beiträgt, den Energie- und Treibstoffverbrauch und damit unseren ökologischen Fussabdruck zu minimieren.
Ein nationales Vorzeigeprojekt
Für den Bau der zweiten Gotthardröhre liefern wir 150'000 Tonnen Zement, was rund 15 Eiffeltürmen entspricht, ausschliesslich mit elektrischen LKWs. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zu einem der bedeutendsten Infrastrukturprojekte der Schweiz und zeigen, wie nachhaltiger Transport heute schon möglich ist.
CO2-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung
Die Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO2 (Carbon Capture, Usage and Storage, CCUS) ist ein zentraler Baustein unserer Netto-Null-Strategie. In Zusammenarbeit mit Hochschulen und Technologieunternehmen entwickelt Holcim Schweiz verschiedene CCUS-Projekte. Aktuell beschäftigen wir uns mit rund zehn Projekten und Projektideen in verschiedenen Phasen, beispielsweise im Bereich effiziente Abscheidung von CO2 aus Abgas (Carbon Capture). Zeitgleich erforscht die Holcim Gruppe die Möglichkeiten der CCUS-Technologien in mehr als 30 weltweiten Pilotprojekten. Die Entwicklung und Realisierung eines vollständigen Projektes wird einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, beanspruchen.
Referenzprojekte
Innovationslabor Grüze in Winterthur
Im Innovationslabor Grüze in Winterthur setzt Holcim Schweiz den 3‑R‑Ansatz («Reduce, Reuse, Recycle») konsequent um – von der CPC‑Technologie über Bauteil‑Leasing bis zur vollständigen Wiederverwertung. Die vorgefertigten Carbon‑Spannplatten, das Rücknahme‑Modell für Bauteile und eine hohe Recycling‑Rate zeigen, wie nachhaltiges Bauen heute bereits praktisch gelingt.
Maximal CO₂-reduziertes Bauwerk
Das Leuchtturmprojekt «Bridge to the Future» in unserem Werk Hüntwangen ist das erste Bauwerk, das maximal CO2-reduziert ist. Beim Bau dieser Plattform für die Annahme von Aushubmaterial wurde erstmals unser klinkerfreier Zement Locarbo eingesetzt. Dank Locarbo und einer optimalen Abstimmung von Baustoffen und Bauweise konnte der CO2-Fussabdruck des Bauwerks um 75% reduziert werden. Das Projekt illustriert auf eindrückliche Weise, dass es beim klimaneutralen Bauen nicht nur um das einzelne Material geht, sondern um die gesamte Wertschöpfungskette und ein Zusammenspiel sämtlicher Akteure.
