Frauen im Ingenieurberuf

12 Mai 2020

Bei Holcim sind wir fest davon überzeugt, dass die Gleichstellung der Geschlechter einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg unseres Unternehmens leistet. Deshalb bemühen wir uns, die Vielfalt innerhalb unserer Teams zu fördern. Seit Dezember 2019 sind wir EDGE-zertifiziert. Damit sind wir eines der ersten Industrieunternehmen in Europa, das diese Zertifizierung erhalten hat. Wir sind sehr stolz, für Frauen eine attraktive Arbeitgeberin zu sein und freuen uns, Ihnen zwei unserer Kolleginnen vorzustellen, die uns über ihren Werdegang und ihre Aufgaben berichten: Ramona Goetze und Kerstin Wassmann. 

 

3 Fragen an Ramona Goetze, Betriebsverantwortliche Westschweiz bei Geocycle (Schweiz)
Eclépens (VD)

 

Ramona, wie beschreiben Sie Ihren beruflichen Hintergrund?                                                     

photo ramona goetze focus ciment

Ursprünglich bin ich aus Deutschland, nenne mich aber gerne europäisch. Ich habe an der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) Umwelttechnik studiert, bevor ich eine Forschungslaufbahn im Bereich Kreislaufwirtschaft und Abfallrecycling eingeschlagen habe. Zwei Jahre lang arbeitete ich als Dozentin und Forscherin an der TU

Berlin, bevor ich nach Kopenhagen ging, um an der Technischen Universität von Dänemark zu promovieren. Am Ende meines Studiums wollte ich in die Privatwirtschaft wechseln und trat der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Arcelor-Mittal in Frankreich bei. Diese Erfahrung ermöglichte es mir, mich sowohl in die Herausforderungen der Schwerindustrie zu vertiefen, als auch mein Französisch zu verbessern. Als sich also die Gelegenheit ergab, die Kreislaufwirtschaft in der Westschweiz im Namen von Geocycle und des Holcim-Zementwerkes in Eclépens zu fördern, habe ich nicht lange gezögert. 

Sie sind zuständig für das operative Geschäft von Geocycle in der Westschweiz. Was sind Ihre Hauptaufgaben?

Zunächst einmal bin ich die Ansprechpartnerin für die über 80 Kunden der Marke Geocycle - der Abfallverwertungssparte von Holcim - in der Romandie, denen wir eine Reihe verschiedener Abfallmanagement-Dienstleistungen anbieten, welche ich in der Romandie vermarkte. Diese Kunden schicken uns alle Arten von Abfällen wie Altreifen, getrockneter Klärschlamm, Altholz und so weiter, denen wir in Form von alternativen Rohstoffen oder Ersatzbrennstoffen ein zweites Leben geben. 

Im Auftrag des Holcim-Zementwerkes in Eclépens bin ich für die Lieferung der Abfälle verantwortlich, die bei der Zementherstellung verwertet werden. Ich muss daher sicherstellen, dass die gelieferten Mengen dem Bedarf des Werks entsprechen, dass ihre Qualität den Produktionsanforderungen gerecht werden und diese Abfallqualität auch im Laufe der Zeit konstant bleibt.

Darüber hinaus koordiniere ich in der Region Schweiz und Italien das Risikomanagement, wenn der Abfall bei der Zementherstellung verwertet wird.

Was sind Ihre grössten Herausforderungen im Alltag?

Die Sicherstellung der Zufriedenheit sowohl unserer Kunden als auch des Zementwerks stellt oft eine Herausforderung dar. Der Abfallmarkt ist sehr dynamisch. Das setzt die Fähigkeit voraus, die Strategie jederzeit anzupassen. Wir müssen stets gewährleisten, dass genügend Abfall zur Verfügung steht, um zu den ökonomischen und ökologischen Zielen von Holcim in Eclépens beitragen zu können. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, neuen Kunden, neuen Abfallarten. 

Es ist zudem eine grosse Herausforderung, die Qualität der gelieferten Abfälle konstant aufrecht zu erhalten, da sich Abfälle naturgemäss ständig verändern. Die Erörterung dieser Aufgaben zusammen mit dem Zementwerk und mit unseren Kunden ermöglicht es uns, gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln und unsere Prozesse kontinuierlich zu verbessern. 

Persönlich gesehen ist die Arbeit in einem geografisch verstreuten Team eine spannende Herausforderung. Auch wenn die Überwindung kultureller und sprachlicher Barrieren eine gewisse Anpassungsfähigkeit erfordert, so ist es doch auch das, was die Schweiz so schön macht!

 

 

3 Fragen an Kerstin Wassmann, Produktingenieurin bei Holcim (Schweiz) AG                                             
Siggenthal (AG)
 
 
Kerstin, was genau kann man sich unter Ihrem Beruf vorstellen?
 
photo kerstin wassmann3

Ich unterstütze den Zementverkauf in fachlicher Hinsicht. Das heisst, ich betreue Grossprojekte, mache Entwicklungsarbeit und bearbeite auch Reklamationen. Bemängelt ein Kunde zum Beispiel die Festigkeit des gelieferten Betons, analysiere ich alle beteiligten Rohstoffe und mache verschiedene Versuche vor Ort und im Labor. Mit Hilfe eines Programms kann ich genau berechnen, unter welchen Bedingungen welcher Beton wie fest wird und welche Wärme er dabei entwickelt.

Und was sind dabei Ihre Aufgaben?

Hinsichtlich der Betreuung von Grossprojekten bin ich zum Beispiel bei Roche 1 und dem Nachfolgeprojekt Roche 2 involviert. Wegen der Gebäudehöhe verlangt Roche nach hohen Festigkeiten. Auf Basis der Ausschreibungen erstelle ich Konzepte für die Zusammensetzung eines solchen hochfesten Betons und überlege, welche Zemente wir einsetzen könnten.

In Sachen Entwicklungsarbeit arbeite ich beispielsweise aktuell daran, einen neuartigen Ultra-Hochleistungs-Faserbeton (UHFB) zu entwickeln. Dieses Produkt kommt zum Einsatz wenn man eine besonders hohe Dichte oder Festigkeit erreichen muss. Einer unserer Kunden hatte nun eine clevere Idee: Er braucht zwar einen UHFB, dieser soll aber nur das allernötigste an Leistung bringen, um die Kosten tief zu halten. Hier arbeite ich an einer massgeschneiderten Lösung. Das Ziel ist es, die genauen Eigenschaften eines UHFB zu erfüllen, dies aber mit den geringstmöglichen Mitteln.

Was hat Sie dazu bewogen, Ingenieurin zu werden?

Ich hatte schon immer eine Affinität zu naturwissenschaftlichen Themen und klaren Fakten. Mein Vater ist auch Ingenieur und hat mich natürlich dazu ermutigt. So habe ich an der Bauhaus Universität in Weimar (Deutschland) Bauingenieurin studiert. Er konnte sich immer gut vorstellen, dass ich in einem Labor arbeite. Obwohl ich ja viel lieber raus zu den Kunden gehe.

Ich mag den unmittelbaren Kundenkontakt, die Baustelle, da wo es auch mal schmutzig ist. Lösungen für konkrete Probleme zu finden, das ist mein Ding, da ich absolut keine Affinität zu Bequemlichkeit habe. Am Anfang weiss ich nie, was am Ende genau rauskommt. Beton ist ein Fünf-Stoff-System und diese fünf Ausgangsstoffe können unendlich kombiniert werden. Es gibt immer wieder neue Probleme, aber auch neue Lösungen und neue Entwicklungen. Das erhält die Spannung.